Stöckchen: Mein Leben in 15 Songs

Huch, ein Musik-Stöckchen von ERGO. Dabei spielt Musik in meinem Leben doch schon eine geringere Rolle als bei vielen anderen. Wenn ich darüber nachdenke, welche Songs bestimmte Epochen in meinem Leben besonders prägten oder repräsentieren, fällt mir auf, dass ich zwar vieles und Vielseitiges gehört habe, die meisten Bands und Alben aber eher rasch und spurlos an mir vorbeizogen. Es gibt nur wenige Musiker und Musikstücke, die deutlich hervorragen. Mal sehen, ob ich überhaupt 15 zusammenbekomme. Mehr oder weniger chronologisch nach Entdeckungszeitpunkt:

Pink Floyd: „Another Brick in the Wall“

The Wall und der The Blues Brothers-Soundtrack waren die Lieblingsplatten meines Vaters. Sie stehen also für meine Kindheit (passt ja auch sehr gut).

Meat Loaf: „I’d Do Anything for Love (But I Won’t Do That)“

Mein erster richtiger Lieblingssong. Da muss ich 10 gewesen sein. Könnte schlimmer sein, denke ich. Irgendwie finde ich ihn sogar immer noch großartig und das Video ist ja wohl echt stark! Nachher hatte ich allerdings nie mehr etwas mit Meat Loaf zu tun (abgesehen vom einen oder anderen Film). Auf epische Rockmusik stehe ich allerdings heute noch, nur anders.

Savage Garden: „Truly Madly Deeply“

Beginn der Pop-Phase. Könnte auch schlimmer sein, oder? Außerdem fand ich Darren Hayes süß.

Danach folgte tatsächlich noch eine Boygroup- und Popsternchen-Phase, die aber keine Spuren hinterlassen hat, deswegen überspringe ich sie.

Dido: „Here With Me“

No Angel lief damals in Dauerrotation und das verstehe ich heute noch sehr gut. Perfekte düstere Popmusik.

Thomas Newman: „Any Other Name“

American Beauty war der Film meiner Adoleszenz und Thomas Newmans Score daher die Musik dazu. Dieses Stück treibt mir aber auch jetzt noch sofort die Tränen in die Augen und ich muss sehnsüchtig an meine erste große Liebe, Ricky Fitts, denken.

3 Doors Down: „Duck and Run“

Mit 16 fand ich dann aber glücklicherweise doch auch zur Rockmusik (wenn auch erst mal zu recht konventioneller). 3 Doors Down verdanke ich meine erste Konzert- und einzige Festivalerfahrung (Rock im Park 2000). Wichtig war zu der Zeit auch z.B. Staind mit „It’s Been Awhile“. Zumindest 3 Doors Down finde ich heute aber ziemlich schrecklich (die Texte, oh je).

Aimee Mann: „Humpty Dumpty“

Klar, Paul Thomas Anderson ist schuld. Ich war einige Jahre auch wirklich sehr großer Fan, Lost in Space ist eine der meistgespielten CDs in meiner Sammlung.

Michael Nyman: „The Heart Asks Pleasure First / The Promise“

Für viele Jahre das allerschönste Stück Musik, das mich vollkommen ausdrückt. Aber das wisst ihr ja.

Tori Amos: „Precious Things“ / „Space Dog“

Tori Amos ist meine Musikgöttin. Und das liegt gar nicht zuallererst an ihrer Musik, obwohl ich unendlich bewundere, wie es ihr gelingt, seit über 20 Jahren in absoluter Regelmäßigkeit Musik zu veröffentlichen, die sich nie wiederholt, die immer wieder eine neue Facette ihres auf den ersten Blick überschaubaren künstlerischen Könnens zeigt. Aber vor allem hat mich bisher kein Konzert so begeistert, wie ihres 2007 in Nürnberg. Sie sitzt zwar „nur“ die ganze Zeit hinter ihrem Flügel, aber sie spielt ihre Musik nicht nur herunter, sie macht sie erst verständlich und erfahrbar, sie fühlt sie nach außen. Das ist gelebte Musik auf der Bühne, was ich so bei noch keinem anderen Musiker erlebt habe. Und genau dafür liebe ich sie.

Philip Glass: „Escape!“

The Hours ist auf vielen Ebenen ein wichtiger Film für mich, der auch irgendwie einen meiner Lebensabschnitte repräsentiert. Er führte mich nicht nur zu meiner verwandten Seele Virginia Woolf, sondern auch zu Philip Glass – ein Komponist, den ich seither fast so sehr schätze wie Michael Nyman. Ich habe ihn sogar schon mal live spielen sehen, bei den Filmnächten am Elbufer in Dresden 2010, als er mit dem Kronos Quartet Dracula (von Tod Browning) begleitete (was mich wiederum stets an mein halbes Jahr im Erzgebirge erinnert).

Nine Inch Nails: „Mr. Self Destruct“

Jeder an der Welt und den Menschen leidende Teenager muss ja wohl irgendwann bei Nine Inch Nails landen. Ich war halt schon ein bisschen klischeehaft. Was Trent Reznor heute so macht, finde ich aber wieder interessant, seine Filmmusik und How To Destroy Angels etwa.

Slut: „Global Cut“

Die Musik zu den ersten Studienjahren.

A Perfect Circle: „The Outsider“

Die sah ich zufällig auf MTV – was es damals noch alles gab! Welcher Song es genau war, weiß ich zwar leider nicht mehr, das ist aber auch nicht so wichtig, da sie für mich vor allem die Brücke zu Tool darstellten.

Tool: „Schism“ / „Roseta Stoned“

Und Tool ist seither meine absolute Lieblingsband. Keine andere Musik lässt mich so Großes und Tiefes fühlen. Daher kann ich sie auch nur in einer besonderen Stimmung hören. Und in Maynard James Keenans Karamell-Stimme möchte ich am liebsten baden. (Puscifer mag ich übrigens auch sehr.)

Aphex Twin: „Cilonen“

Die Musik zum Auslandssemester in Nordirland. Damit auf den Ohren durch die vielseitige, raue irische Landschaft zu fahren, war einer der schönsten Momente meines Lebens. Das scheint auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen, aber seine Musik ist doch sehr rein.

Porcupine Tree: „Fear of a Blank Planet“

Gegen Mitte 20 hatte ich dann ein Jahr, in dem ich extrem viel Musik gehört habe (auch unterwegs, ständig mit Stöpseln in den Ohren, was ich heute kaum noch mache), vor allem Prog- und Post-Rock. Das ist auch im Großen und Ganzen die Musikrichtung, mit der ich mich am meisten identifiziere. Sie ist doch ein sehr gutes Äquivalent zu den epischen, handlungsarmen Filmen, die ich so mag, oder? Und hier schließt sich auch der Kreis zum ersten Song – schön. (Fürs Protokoll: Die Texte von Porcupine Tree sind manchmal leider sehr plump.)

Die beiden Lieder, die mein Freund für mich schrieb

Natürlich.

Danach folgten hauptsächlich ganz musikfreie Phasen, Wiederholungen oder eher kurze Affären (Dredg, Patrick Wolf, Godspeed You! Black Emperor, Editors, Bat for Lashes, Florence + The Machine, The Jezabels, The Boxer Rebellion und Agnes Obel etwa). Ich kaufe mir aber auch kaum noch CDs, beschäftige mich nicht mehr wochenlang nur mit einem Album. So hat Musik ja gar keine Chance, sich einzubrennen. Eigentlich schade.

Und jetzt sinds doch sogar ein paar mehr als 15 Songs geworden. Macht nichts, oder? Ich werfe nicht weiter, obwohl mich die Antworten von Sonja, Sebastian und Annika schon brennend interessieren würden.

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