Sonstige Filme im Februar und eine Serie

Pozitia copilului (Mutter & Sohn – Calin Peter Netzer, 2013):

Komplizierte, eigentlich undurchschaubare Eltern-Kind-Beziehungen sehe ich spätestens seit Mildred Pierce sehr gerne. Dieser Film ist zwar etwas trocken inszeniert, aber spannend, weil nicht auszumachen ist, was hier genau schieflief bei der Erziehung, ob es an ihrer Anhänglichkeit oder seinem Egoismus liegt. Die Mutter ist Machtmensch und hilfloses Opfer ihrer Abhängigkeit zugleich. Mit den sozialen Zugehörigkeiten wird aber etwas plump umgegangen.

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What Maisie Knew (Das Glück der großen Dinge – Scott McGehee / David Siegel, 2012):

Dieses arme kleine Mädchen. Der Film vermittelt Maisies Erfahrung, zwischen all den streitenden Erwachsenen hin- und hergezogen und -geschoben zu werden, hautnah, man fühlt ihre steigende Traurigkeit mit, weil Onata Aprile sie so erstaunlich gut vermittelt ohne dabei schauspielerisch viel investieren zu brauchen. Es bricht einem das Herz. Dennoch werden die Erwachsenen dabei nicht dämonisiert. Sie begehen natürlich Unachtsamkeiten und Fehler, Lieblosigkeit und ungenügende Bemühungen kann man ihnen jedoch größtenteils nicht vorwerfen. Es scheint eher so, als hätte ein Kind in dieser zeitgenössischen Selbstverwirklichungs- und Karrierewelt einfach keinen Platz, weil es eine Stetigkeit verlangt, die nicht mehr erfüllbar ist.

Welcome to the Punch (Enemies – Welcome to the Punch – Eran Creevy, 2013):

Was für ein Blödsinn. Ein britischer Copthriller, der klischeeüberladen ist, dumm, unglaubwürdig, nicht mal besonders gut gespielt (da beben die Nasenflügel im Akkord). All sein Wissen über Verbrecher und Polizeiaktivitäten hat er sich wohl aus amerikanischen Filmen zusammengebastelt und seine Ästhetik aus The Dark Knight. Da sieht selbst London aus wie Gotham City. Verblüffend, dass Mark Strong, Peter Mullan und Andrea Riseborough bei so was mitmachen.

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Vous n’avez encore rien vu (Ihr werdet euch noch wundern – Alain Resnais, 2012):

Der Film ist ein wunderbares Spiel – auf so vielen Ebenen. Meta, aber ohne einen Hauch trocken zu sein. Er spricht für mich vor allem von der vielfältigen Form, die Geschichten annehmen können, von Rollen, die von Schauspielern ganz unterschiedlich verkörpert werden können. Er feiert das Einfühlen von Darstellern, ihre Identifikation (und die des Publikums) mit der Rolle und die Vielgestaltigkeit filmischer Imagination. Schauspieler müssen nicht jung sein, um junges Verliebtsein darstellen zu können. Eine tolle Erkenntnis, die ich hier mitnehme. Neben den traumhaft-unwirklichen, bewusst künstlichen Bildern, die aber ganz anders sind als die von L’année dernière à Marienbad (mit dem ein Vergleich sicher sehr lohnt). Ich finde nur, der Film hätte durchaus noch etwas wilder mit den verschiedenen Schauspielern und ihren wechselnden Identitäten, mit den Realitätsebenen spielen können. Zwischendurch wird es nämlich fast schon konventionell.

Glomdalsbruden (Die Braut von Daalenhof – Carl Theodor Dreyer, 1926):

Eine nette kleine Tragikomödie um ein verhindertes Liebespaar mit einem allerdings viel zu langen Showdown.

American Hustle (David O. Russell, 2013):

Was für ein nerviger, überdrehter, vorhersehbarer, belangloser Film. Mit keiner der unsympathischen, inkonsequenten Figuren lässt sich mitfühlen oder -fiebern, sodass nie etwas auf dem Spiel zu stehen scheint. Die großen Vorbilder des gewitzten, verblüffenden Betrügerfilms werden meilenweit verfehlt. Nur Amy Adams lässt mich einfach nie kalt (die Arme hat bestimmt gefroren mit ihren Ausschnitten bis zum Bauchnabel – nur eine der vielen Übertreibungen und Fragwürdigkeiten).

Blue Jasmine (Woody Allen, 2013):

Das ist ein sehr überraschungsfreier Film. Ich hatte das Gefühl, ihn schon gesehen zu haben. Jasmine hätte auch Woody Allen selbst sein können. Ich finde ihn zu poliert, zu sehr an der Oberfläche, ohne Erkenntnisse. Aber Cate Blanchett verkörpert die Rolle in allen erstaunlichen Facetten, ohne zu sehr zur Karikatur zu werden.

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Le Passé (Le Passé – Das Vergangene – Asghar Farhadi, 2013):

Faszinierend, wie es als der eine Film anfängt und dann zu einem ganz anderen Film wird (war das bei Jodaeiye Nader az Simin nicht auch schon so?). Da weiß man wirklich nicht, was als Nächstes passiert. Wunderbar, weil sonst viel zu selten, ist auch, wie vernünftig die Figuren sind. Die emotionalen Ausbrüche gibt es und sie sind auch gerechtfertigt, aber Mäßigung und Einsicht folgen schnell. Komplexe, erwachsen ausgetragene Beziehungen. Die Vergangenheit und ihre Verletzungen sind präsent, stehen aber nie aufdringlich im Raum herum. Ich glaube aber, bei einer zweiten Sichtung ist der Film schon sehr viel weniger spannend.

Barry Lyndon (Stanley Kubrick, 1975):

Es ist neben Spartacus der Kubrick-Film, zu dem ich am wenigsten einen Zugang habe. Es ist zwar viel Kubrick-Typisches darin, das Formale wie die Geschichte selbst (mit ihren ständigen Folgen von Pech im Glück und Glück im Pech) und das Duell als zentrales Motiv sind faszinierend, der Film kommt mir aber nur wie eine Stilübung vor.

Pride and Prejudice (Stolz und Vorurteil – Andrew Davies, 1995):

Warum diese BBC-Miniserie als Vorzeige-Verfilmung des Austen-Romans gilt, ist mir schon ein Rätsel. Zwar ist sie recht vorlagengetreu, aber meistens eher unspektakulär gefilmt, nicht immer überzeugend gespielt (Colin Firths anfängliche steinerne Ernsthaftigkeit wirkt beispielsweise sehr angestrengt) und schlägt (außer durch Austens Dialoge) keine Zwischentöne an. Es ist eine sehr offensichtliche Darstellung. Allerdings ist mir die Vorlage ja schon ein Graus.

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